Langlebigkeit im Glas

Cantina_Terlan_Weine aus Meran
Authentizität und Langlebigkeit anstatt Mainstream – darum geht es den Weinmachern der Cantina Terlan. Die weltbekannte Kellerei liegt in Südtirol, einem der kleinsten Weinanbaugebiete Italiens, und hat sich auf die Herstellung von Weißweinen spezialisiert. Heute werden in Terlan 70 Prozent Weißwein gekeltert, was quasi der Umkehr der gängigen Südtiroler Sortenverteilung entspricht.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1893 dreht sich in der Cantina Terlan alles um die Qualität und Haltbarkeit der Weine. Verantwortlich hierfür sind vor allem der hohe Mineralgehalt und die Kargheit der Terlaner Böden im Herzen des nördlichsten italienischen Anbaugebietes. Die Trauben wachsen zum größten Teil auf 250 bis 900 Metern über Meereshöhe in Steillagen mit einer Neigung von bis zu 70 Prozent. Im Sommer und Winter profitieren die Reben von viel Sonne, die zwischen 1.800 und 2.100 Stunden im Jahr vom Himmel scheint. Fast schon mediterrane Verhältnisse garantieren das Gedeihen einer breiten Palette von Traubensorten – Sauvignon blanc, Weiß- und Grauburgunder, Chardonnay, Müller-Thurgau, Gewürztraminer sowie die roten Rebsorten Lagrein, Pinot noir, Merlot und Cabernet.

Die Weinberge der Cantina liegen auf einer auffallend rot gefärbten Porphyr-Unterlage, vulkanisches Gestein mit großen Mineraleinsprenglingen. Im Rahmen verschiedener Bodenuntersuchungen wurden unter anderem Tonminerale gefunden, die die Aufnahme und Transportfähigkeit der Nährstoffe vom Boden in die Pflanze erleichtern. Bislang wurde vermutet, dass Tonminerale in vulkanischem Gestein nur in den Toplagen in Burgund vorkommen.

Über Jahrmillionen hinweg hat sich im Boden eine ganz besondere Cuvée aus Kristallen gebildet mit einer großen Menge an Mineralstoffen.
Über Jahrmillionen hinweg hat sich im Boden eine ganz besondere Cuvée aus Kristallen gebildet mit einer großen Menge an Mineralstoffen.

Die Qualität der Terlaner Weine beruht – neben dem idealen Zusammenspiel von Bodeneigenschaften und mikroklimatischen Bedingungen –
auf einer ausgefeilten Weinphilosophie mit ei-nem soliden Fundament: Der hohe Mineralgehalt der Böden macht die Weine haltbar und verleiht ihnen Frische und Vollmundigkeit. Mit großem Mut für Neues und viel Flexibilität haben sich die Winzer der genossenschaftlich organisierten Kellerei, zu einem optimierten Anbau der Rebsorten entschlossen. Dahinter steckt der Gedanke, dass die richtige Sortenwahl für die jeweiligen Weinberge zu den wichtigsten Voraussetzungen für hochwertiges Lesegut gehört. Die Steillagen erfordern besonderes Engagement. Alle Trauben werden noch von Hand gelesen. Bis zu 700 Arbeitsstunden pro Jahr und Hektar sind erforderlich – in Tallagen benötigt man nur etwa 300 bis 400 Arbeitsstunden.

Ein gesundes und vollreifes Lesegut ist eine weitere Voraussetzung für lagerfähige Weine. Terlan unterstützt das durch biotechnische Pflegemaßnahmen und eine strenge Ertragsreduktion. Alle Energie soll in die Trauben fließen und ein vollaromatisches, kräftiges Lesegut erzeugen. Der Ausbau langlebiger Weine in der Cantina Terlan lässt sich bis um 1900 zurückverfolgen. Die Kellertradition ist durch den historischen Ausbau im Holzfass geprägt. Besonders dabei ist die Ausbaumethode „sur lie“. Die Weine reifen hier mehrere Jahre auf der Hefe, bevor sie sich dann, ganz ohne Eile, in der Flasche weiterentwickeln. Eine andere, besondere Variante des Weinausbaus in Terlan ist die „Methode Stocker“, benannt nach dem Altkellermeister Sebastian Stocker. Bei dieser Methode werden herausragende Jahrgänge in limitierter Auflage für lange Zeit auf der Feinhefe gereift. Die Weine liegen zuerst ein Jahr im Holzfass, danach 10 bis 30 Jahre auf der Feinhefe in kleinen Stahlfässern. Erst dann werden sie abgefüllt und erreichen in der Regel ihre vollendete Trinkreife nach einem Jahr Flaschenlagerung. Aktuell lagern 18 Jahrgänge in kleinen Stahlfässern. 

In dem modernen Keller reifen 30 Prozent Rot- und 70 Prozent Weißweine.
In dem modernen Keller reifen 30 Prozent Rot- und 70 Prozent Weißweine.
In dem modernen Keller reifen 30 Prozent Rot- und 70 Prozent Weißweine.
Eines der Geheimnisse der Kellerei Terlan ist das Weinarchiv. In rund 13 Metern Tiefe lagern hier etwa 100.000 Flaschen aller Jahrgänge von 1955 bis heute.

Der Cantina Terlan gehören heute 160 Mitglieder an, die gemeinsam ca. 180 Hektar Rebfläche bewirtschaften. Das gesamte Fassungsvermögen der Kellerei beläuft sich auf 30.000 Hektoliter. Jedes Jahr werden zwischen 7.500 und 8.500 Hektoliter Wein eingekellert. Eines der Herzstücke der Kellerei ist der Porphyr-Keller, der komplett mit Porphyr-Gestein ausgekleidet ist. In ihm lagert der gleichnamige Wein. Ein anderes Highlight ist der Raritätenkeller. Für ihn wurden zwei übereinanderliegende Kellerräume miteinander verbunden und ein aus Stahlprofilen gefertigtes Regalsystem mit bauchigen Inox-Tanks eingebaut.

Einzigartig in Italien ist das in rund 13 Metern Tiefe liegende Weinarchiv. Dort ruhen rund 100.000 Flaschen aller Jahrgänge von 1955 bis heute. Einzelne Weine sind auch noch älter, die älteste Flasche stammt aus dem Gründungsjahr 1893. Das Weinarchiv war ursprünglich ein Experiment von Sebastian Stocker, der heimlich von jedem Jahrgang 500 Flaschen versteckt hatte, um zu sehen, ob seine Idee von der Langlebigkeit der Terlaner Weine umsetzbar ist.

Die Gegend rund um die Cantina Terlan ist ein schönes Sommerurlaubsziel. Meran und Bozen sind immer touristische Highlights. Die Kellerei selbst ist Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr für den Verkauf geöffnet. 

cantina-terlano.com

Im Jahre 1893 gegründet, zählt die Kellerei Terlan heute zu den führenden Winzergenossenschaften in Südtirol.
Die Gegend rund um die Cantina Terlan in Südtirol ist ein schönes Sommerurlaubsziel.
Die Gegend rund um die Cantina Terlan in Südtirol ist ein schönes Sommerurlaubsziel.

Fotos: TERLAN/Udo Bernhart (10)